11. Sonntagsspecial von Freizeitsportler und CityRunning: Stettbach-Stadelhofen
1. Februar 2017
11. Sonntagsspecial von Freizeitsportler.ch & CityRunning.ch Stettbach-Stadelhofen
12. Februar 2017

Degustieren statt frieren: Trail Running in Südafrika

Wieso soll ich mir im Winter beim Laufen die Nase abfrieren, wenn ich stattdessen im südafrikanischen Hochsommer in kurzen Hosen herumrennen kann? Der Gedanke liess mich nicht mehr los und kurz darauf war der Ferienantrag gestellt. Je grauer die Nebeltage wurden, desto grösser wurde die Vorfreude.
Ende Januar war es dann endlich soweit, der Flug kurzweilig und die Ankunft in Kapstadt erfrischend freundlich. Mit der Hilfe der beiden Reiseleiter, CityRunning-Guide Dani Thörig und unserer Südafrikanerin, die als starke Mountainbikerin und ehemalige Trailläuferin jeden Pfad kannte, fanden wir die schönsten Trails in der Umgebung.
Schon kurz nach der Ankunft schnürten wir die Laufschuhe und gingen auf eine Stadttour. Unsere Guides fuhren mit den Bikes voraus, liessen uns das Tempo wählen und wir konnten uns sozusagen laufend umzusehen. Wir erhielten erste Eindrücke, Infos, Ausgehtipps und gewöhnten uns ganz nebenbei an den Linksverkehr.
Der «Lion’s Head», ein Wahrzeichen von Kapstadt, ist selbst zur frühen Morgenstunde ein beliebtes Jogging-, Kletter- und Ausflugsziel und wir waren gut beraten, sehr früh da zu sein. Eine Wolke umhüllte den Gipfel, sodass wir zwar keine Aussicht, dafür aber eine mystische Stimmung am Fels erleben konnten. Zum Ausgleich folgten wir danach dem Trail zum Signal Hill, wo wir mit schönen Wegen und Fernsicht belohnt wurden. Selbstverständlich war der Gipfel des Lion’s Head um diese Zeit dann auch wieder wolkenlos…
Stellenbosch liegt in einem der bedeutendsten Weinanbau-Regionen Südafrikas, was unschwer an den gigantischen Weingütern zu erkennen war, deren Rebstöcke kilometerlang die Strassen säumten. Die herausgeputzte, kleine Stadt erwies sich als Shopping- und Gastro-Mekka, das dank den vielen Studenten auch spätnachts in vielen Bars zum Verweilen einlud – oder zum «Burger Roulette», dem wir mit Leidenschaft frönten. Wir erkundeten die umliegenden Wälder und tobten uns auf ausgedehnten Trails aus, alles mit hohem Spassfaktor und angenehm coupiert. Das Läuferherz schlug höher.
Der nächste Ausflug führte uns zum Jonkershoek Nationalpark. Wer wie ich dachte, Afrika sei flach, wurde während dieser Reise vom Gegenteil überzeugt! Durch die Buschlandschaft zog sich der Weg im Zickzack nach oben, bis wir auf einer kleinen Kreuzung waren, von wo aus wir das Tal übersehen konnten. Auf dem Rückweg erschrak uns ein grosser Steinbrocken, der aus der richtigen Perspektive betrachtet einem Elefanten verblüffend ähnlich sah.
So ein Weingut ist eine tolle Sache, vor allem weil manche ihr Gelände für Zusatzangebote zur Verfügung stellen. So konnten wir die extra für Wanderer angelegten Wege auf dem vielfältigen Gebiet von Bains Kloof erkunden. Es blieb kaum etwas aus; Wald, Feld, Wiese, Staub, Holz, Stein und sogar ein idyllischer kleiner Wasserfall. Über 15 Kilometer lang freuten wir uns über die Trails, die Sonne und den blauen Himmel.
Dass wir die Nachmittage mit Weindegustationen verbrachten, ist ja wohl klar; auch ein «Wine and Chocolate Pairing», die nicht ganz ernstgemeinte Lehre vom passenden Wein zu verschiedenen Schokoladen. Bei einem Gin-Seminar konnten wir unseren eigenen Gin kreieren und nachhause nehmen. Mein Gin heisst «CLI SA 2017», er hat einen niedrigen Wachholder-Gehalt und steht in der Emotions-Skala auf «Entspannung». Cheers!
Hermanus lebt von den Walen. Früher fing man sie mit den Harpunen, heute mit den Fotokameras. Zwar waren alle Wale bereits weitergezogen, doch als Emblem sichteten wir sie überall. Das sympathische Dorf punktete mit seinen vielen Restaurants, Cafés und Shops, aber auch mit den vielen Sehenswürdigkeiten, dem schönen Board Walk entlang des Meeres und dem Hotel Pool mit Sicht auf die Wellen. Von hier aus führte uns eine kurze Fahrt mit dem Bus zur Botrivier Lagune, wo wir durch die Dünenlandschaft joggten, immer Ausblick nach den Wildpferden haltend. Diese haben sich erfolgreich vor uns versteckt, dafür schreckten wir eine Gruppe von Perlhühnern auf, die panisch davonstiebten, aber leider nicht von uns weg, sondern vor uns her rannten. Es war ein lustiges Erlebnis, nicht nur mit den Hühnern aufzustehen, sondern auch mit ihnen zu laufen!
Kleinmond. Was für ein Name. Der kleine Ferienort liegt hübsch eingebettet zwischen Surfwellen und Kletterwänden. Der Wanderweg zu den «Three Sisters», einer bekannten Felsformation, wand sich immer höher, bis wir auf knapp 300 Metern über Meer eine uneingeschränkte Sicht auf die Welt um uns herum hatten. Unter der Sonne Südafrikas liess es sich herrlich laufen, dabei die Aussicht geniessen und immer wieder einen kurzen Fotostopp einlegen.
Das Highlight jeder Kapstadt-Reise ist das Kap der Guten Hoffnung. Die Kapitäne hofften, bald Indien zu erreichen. Wir waren etwas bescheidener. Wir wollten gar nicht mehr weg.

Text: Claudia Meier, Jan/Feb 2017
Fotos: Copyright Dani Thörig